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Unser sportverrückter Account Manager, Christian Reinhardt, hat sich für die kommende Saison zum Ziel gesetzt, seinen lang gehegten Wunsch, einen Ironman zu absolvieren, zu verwirklichen. Auf dem Weg dorthin gibt es viele Herausforderungen zu meistern, welche überraschenderweise oft wenig mit Training und Ernährung zu tun haben, jedoch vielmehr damit die richtige Balance zu finden. Christian ist zwar ein Rookie auf der Ironman-Distanz, aber er hat über die Jahre viel trainiert, zahlreiche Wettkämpfe bestritten und hat sehr viel über Triathlon gelernt. Diese Erfahrungen und Erkenntnisse helfen ihm nicht nur sich auf den Ironman vorzubereiten, sondern auch bei seiner täglichen Arbeit bei Brandwave. Hier erklärt er alles…

Viele Menschen, die einen Blick in mein alltägliches Leben oder meine Vergangenheit werfen, würden sagen, dass sich alles nur um den Sport dreht. Tagsüber in einer Agentur für Sportmarketing, zwischendurch Marktforschung betreiben oder Brand Guidelines interessanter Sportmarken analysieren und am Abend viel Sport mit Freunden. Für einen Sportler oder Hobbyathleten völlig normal und nichts Besonderes, aber eine vernünftige Vorbereitung für einen Ironman im Alltag unterbringen? Wie geht das? Ich versuche dies zu erklären…

Nachdem ich das fast unmöglich zu bekommende Ticket bei der Challenge Roth gelöst hatte, startete ich mit voller Motivation und Enthusiasmus ins Training. Morgens um 6.00 Uhr für die erste Trainingseinheit aufstehen und abends nochmal, nach einem langen Tag im Fotostudio für eine Printkampagne arbeitend, in die Schwimmhalle um auf den überfüllten Bahnen sich den Tritten und Überholmanövern anderer Athleten auszusetzen? Kein Problem, denn das große Ziel war ja stets vor Augen. Aber schon nach nur zwei Monaten setzte die erste Ernüchterung ein. Obwohl ich nicht einmal in einer Partnerschaft lebe oder eine Familie habe, welche Zeit und Aufmerksamkeit bedarf, merkte ich schon wie mein Sozialleben, meine Arbeitsleistung und mein Körper unter dem selbstauferlegten Diktat der Selbstkasteiung leidet.

Eine ernsthafte Vorbereitung für einen Ironman hat wenig damit zu tun, wie ich bisher Sport betrieben hatte. Ich begann Triathlon Magazine zu kaufen, recherchierte in Foren, las unzählige Blogs, versuchte mein Wissen über Trainingssteuerung, Ernährung und Regeneration zu verbessern. Obwohl Triathlon doch angeblich nur eine Randsportart ist, hatte mich die Kommunikation und die Werbetexte zu verschiedenen Angeboten und Produktneuvorstellungen, aber auch die Menge an Informationen erschlagen. Diese ersten Erkenntnisse gaben mir zu denken und ich entschied meine Nachforschungen noch zu vertiefen…

Im Rahmen meiner Recherche bin ich auf interessante Zahlen gestoßen, welche durch diverse Segmentierungsstudien zusammengetragen wurden. Die sozio-demographischen Daten zeigen, dass der durchschnittliche Athlet männlich, um die 40 Jahre alt ist, Akademiker mit einem Einkommen zwischen $75.000 und $125.000 und hiervon gerne über $3.000 jährlich für den Triathlon ausgibt. Wenn man nun noch verschiedene Verhaltensvariablen hinzufügt, dann erhält man ein noch besseres Verständnis dieser extrem attraktiven Zielgruppe.

Denn wer zwischen neun und zwölf Stunden wöchentlich trainiert, zwischen zwei und fünf Rennen jährlich bestreitet und diesen Sport schon seit fünf bis sieben Jahren betreibt, ist definitiv „dedicated“. Diese Triathleten haben ein gewisses Maß an Kenntnisse aufgebaut und besitzen nun auch die Denkweise eines Triathleten, welches Manager im Sportmarketing die Möglichkeit gibt ihre Kommunikation und Zielgruppenansprache an diese identifizierten Personen anzupassen.

Wenn man nur die Teilnehmer eines Ironmans betrachtet, werden die gezeigten Durchschnittswerte noch extremer, denn diese trainieren weit über zwölf Stunden wöchentlich, nehmen durchschnittlich an vier bis fünf Veranstaltungen verschiedenster Distanzen teil und können über neun Jahre an Wettkampferfahrung vorzeigen. Zwar besteht auch diese Zielgruppe zu sehr großen Teilen aus Männer (vier aus fünf Teilnehmer sind männlich), aber, wie schon in der Radindustrie (mit Produktlinien ausschließlich für Frauen) zu sehen, gibt es auch im Triathlon erste Trends mit steigenden Teilnehmerzahlen von Frauen und ich hoffe das dieser Trend in der Zukunft weiter anhält.

Aus diesen nüchternen Zahlen, Daten und Fakten lässt sich zwar ablesen, dass Triathleten und vor allem Ironman Athleten eine sehr interessante Zielgruppe darstellen, jedoch ist es schwierig eine effektive Werbekampagne mit emotional ansprechenden Werbetexte zu entwerfen, wenn man die Motivation der verschiedenen Teilnehmer nicht kennt. In den letzten acht Jahren wurden hierzu eine Reihe von interessanten Studien veröffentlicht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die persönliche Herausforderung bzw. sich neue Ziele zu setzen, eine der Hauptmotivationen sind, um mit Triathlon zu beginnen oder diesen auszuüben. Des Weiteren schätzen Triathleten den sozialen Aspekt und die Verbundenheit mit dem Sport, welches sich in hohen Mitgliederzahlen (ungefähr 72% aller untersuchten Triathleten) in Vereinen wiederspiegelt.

Ästhetik, Gesundheit und Wohlbefinden sind weitere Motivatoren. Diese Ergebnisse sollten bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen eine zentrale Rolle spielen, um beispielsweise ein Markenimage aufzubauen, welches durch die richtige Ansprache (Tone of Voice) eine Identität (Corporate Identity) vermittelt, die die Triathleten auf sich selbst projizieren können oder im Idealfall sich damit identifizieren wollen. Es sollte der Wunsch im Athleten entstehen, diese Marke tragen zu wollen, da die Werte und Identität des Markenimages, dessen Selbstbild wiederspiegelt oder darstellt.

All die gesammelten Informationen, die Erfahrungen aus meiner sportlichen Vergangenheit und den ersten Eindrücken aus meiner Vorbereitung für den Ironman arbeiteten in mir. Was motiviert mich? Welches Ziel verfolge ich eigentlich? Fühle ich mich von Brands und ihrer Kommunikation angesprochen bzw. verstanden? Diese Fragen bekommen mehr Gewicht, wenn ich meine geplanten finanziellen Investitionen, die Kompromisse, den Verzicht und den zeitlichen Aufwand einbeziehe.

Persönlich empfinde ich, dass die Beteiligten im Triathlon Business das Image und die Identität von Triathlon als Sport und Community gut verstehen. Sie schaffen es ihre Produktneuvorstellungen, ihre POS Konzepte und ihr Branding auf den Mythos Ironman und das große Ziel des Athleten auszurichten, jedoch vermisse ich das Verständnis für die Hürden und Herausforderungen des Alltags. Klar, diese sind für jeden Athleten individuell, aber die größte Schnittmenge bildet sicherlich Zeitmanagement, Verletzungen, Regeneration und eine individuelle Trainingsplanung. Ehrlichkeit und Verständnis in der Zielgruppenansprache sollte mehr in den Fokus rücken, denn ein Blick auf die durchschnittlichen Finisherzeiten macht schnell deutlich, dass die Mehrheit keine Überathleten sind, welche ihre komplette Freizeit und ihr frei verfügbares Einkommen für Triathlon aufwenden oder ihr Selbstverständnis aus einem Ironman schöpfen.

Es sind Athleten die sich einen Traum erfüllen möchten und dabei von Sportmarken, Verbänden und Vereinen unterstützt werden sollten. Effektive Kommunikation in diesem Bereich und was es braucht sich für einen Ironman vernünftig vorzubereiten wäre ein großartiger Startpunkt dieser Unterstützung und definitiv eine Kampagne an der ich in Zukunft sehr gerne arbeiten würde….denn jetzt kenn und verstehe ich wenigstens diese verrückte Zielgruppe, da ich die Zielgruppe bin.

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